Von den Römern bis zum Öko-Kraftwerk

Die Geschichte der Kläranlage

Die Geschichte der Wiener Kläranlage ist zugleich die Geschichte der Stadt Wien – von den ersten Kanälen in Vindobona bis zur energiepositiven Kläranlage von heute.

100 n. Chr.
erste römische Kanäle
Mittelalter
spärliche Anzeichen einer Kanalisation
Neuzeit
Boom im Wiener Kanalbau
19. Jhd
Hauptsammelkanäle entstehen
20. Jhd
erste Kläranlage in Betrieb
21. Jhd
Ausbau und Öko-Kraft

Von den Römern bis zur modernen Kläranlage: Dieses Video zeigt die wichtigsten Meilensteine der Wiener Abwassergeschichte – kompakt und anschaulich erklärt.

Von den Römern zum Öko-Kraftwerk

2.000 Jahre Wiener Abwassergeschichte

Sauberes Wasser ist das Ergebnis von mehr als 2.000 Jahren Entwicklung. Entdecken Sie die Meilensteine, Innovationen und Menschen, die die Wiener Abwasserreinigung geprägt haben.

Die ersten Kanäle Wiens

100 n. Chr.

In der Legionsstadt Vindobona ist die erste Kanalisation auf Wiener Boden nachzuweisen. Um 100 nach unserer Zeitrechnung errichteten römische Soldaten im Militärlager Vindobona ein erstes, auch heute noch modern anmutendes Kanalsystem. Die Kanalsohle („Kanalboden“) bestand aus Dachziegeln, die Abdeckungen aus Steinplatten. Für kleine Kanäle wurden bereits Rohre aus gebranntem Ton verwendet. Mit dem Ende der Römerzeit endete diese erste Phase der Kanalisation, der hohe Standard geriet in Vergessenheit.

Römisches Kanalgitter aus Vindobona © Archiv Wien Kanal
Boom im Wiener Kanalbau

Neuzeit

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts existierten einige dieser „Kanäle“ im Bereich des heutigen 1. Wiener Bezirks, auch kleinere Bäche dienten der Abwasserentsorgung. Mehr schlecht als recht, erschienen sie doch selbst den Zeitgenossinnen und Zeitgenossen als „übel riechende Sümpfe“. Die rege Bautätigkeit nach der zweiten Türkenbelagerung 1683 führte auch zu einem ersten „Boom“ im Wiener Kanalbau. Die neu errichteten Gebäude verfügten über Hauskanäle, die in die Mörungen mündeten. Ab 1706 war der Anschluss an die Kanalisation verpflichtend vorgeschrieben. 

KI Symbolbild des Kanalbau-Booms
Größtes Bauprogramm der Stadtgeschichte

19. Jahrhundert

Ein gewaltiger Eisstoß auf der Donau führte im Jahr 1830 dazu, dass die verjauchten Wiener Bäche über die Ufer traten. Eine Choleraepidemie, die mehr als 2.000 Tote gefordert haben soll, war die Folge. Nun ging es schnell, es begann eines der größten Bauprogramme der Stadtgeschichte, das letztendlich über 70 Jahre andauern sollte: Offene Bäche im Stadtgebiet wurden eingewölbt, zusätzlich entstanden zwei Sammelkanäle links und rechts des Wienflusses, die so genannten „Cholerakanäle“. Schon im Jahr 1848 kann Wien auf eine der modernsten Kanalisationen der damaligen Zeit verweisen.

Haupt- und Niveauplan für den Cholerakanal © Archiv Wien Kanal
Vom Kanal zur Kläranlage

Von der Abwasser­entsorgung zur Abwasserreinigung

Die Geschichte der Abwasserreinigung zeigt, wie aus der reinen Abwasserentsorgung ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Gewässerschutz wurde. Begleiten Sie diese Entwicklung von den Anfängen bis heute.

1945 - 1950

Wiederaufbau nach dem Krieg

Die Ereignisse des Ersten und Zweiten Weltkrieges verzögerten den Ausbau des Wiener Kanalnetzes erheblich. Nach 1945 stand zunächst die Reparatur der durch Bombentreffer schwer beschädigten Kanäle im Mittelpunkt. Bis 1950 war die Instandsetzung abgeschlossen. Zwar war damit die Hygiene in der Stadt wieder gewährleistet, das Abwasser gelangte jedoch weiterhin ungeklärt in die Wiener Gewässer.

Kriegsbedingt blieb es nur bei Plänen für die Hauptkläranlage Wien © Archiv Wien Kanal

1951 - 1969

Die ersten Kläranlagen

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Wien mit der Planung der ersten Kläranlagen, um die täglich anfallenden Abwassermengen zu reinigen. Nach vierjähriger Bauzeit nahm 1951 die erste Wiener Kläranlage in Inzersdorf/Gelbe Heide ihren Betrieb auf. 1969 wurde sie durch die leistungsfähigere vollbiologische Kläranlage Blumental ersetzt, die bis 2005 in Betrieb war.

Die Kläranlage Inzersdorf „Auf der gelben Heide“ aus der Vogelperspektive © WStLA
1960 - 1970

Die Hauptkläranlage entsteht

Mit der zunehmenden Belastung der Donau begannen in den 1960er-Jahren die Planungen für die Wiener Hauptkläranlage. Als Standort wurde Simmering gewählt, da das Abwasser hier größtenteils im natürlichen Gefälle zufließen kann. Für die Bezirke nördlich der Donau entstand zusätzlich der 567 Meter lange Donaudüker. Am 4. Juni 1970 legte Bürgermeister Bruno Marek den Grundstein für die neue Hauptkläranlage.

Bürgermeister Bruno Marek bei der Grundsteinlegung für die Hauptkläranlage Wien © Archiv ebswien
1969 - 2005

Ein Meilenstein für den Gewässerschutz

Mit der Inbetriebnahme der Hauptkläranlage Wien im Jahr 1980 begann ein neues Kapitel der Wiener Abwassergeschichte. Erstmals wurde das gesamte Abwasser der Stadt gereinigt, bevor es in die Donau gelangte. Durch den laufenden Ausbau der Kanal- und Pumpanlagen sowie das Gewässerschutzprojekt für Wien wurde die Anlage kontinuierlich erweitert. 2005 ging schließlich die zweite biologische Reinigungsstufe in Betrieb und brachte die Abwasserreinigung auf den neuesten Stand der Technik.

Bürgermeister Leopold Gratz nimmt die Anlage in Betrieb © Archiv ebswien
2005

Mehr Energieeffizienz für die Zukunft

Die moderne Abwasserreinigung erforderte einen hohen Energieeinsatz – zeitweise verbrauchte die Hauptkläranlage mehr als ein Prozent der gesamten Stromerzeugung des größten Wiener Energieversorgers. Deshalb rückten nach 2005 Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien in den Mittelpunkt der Weiterentwicklung.

Bürgermeister Häupl legt den E_OS-Grundstein © Eva Kelety
2020

Von der Kläranlage zum Öko-Kraftwerk

Nach zehn Jahren Planung und Bau nahm 2020 die neue Schlammbehandlungsanlage ihren Betrieb auf. Seither erzeugt die ebswien aus dem erneuerbaren Energieträger Klärgas mehr Öko-Energie, als für die Reinigung des gesamten Wiener Abwassers benötigt wird. Damit wurde aus der Wiener Kläranlage ein modernes Öko-Kraftwerk.

Bau der Schlammbehandlungsanlage 2018  © Christian Houdek
Lesestoff für Neugierige

Blättern. Entdecken. Staunen.

Im „klartext history“ können Sie in der Geschichte der Wiener Kläranlage schmökern.

Die wichtigsten Meilensteine im Überblick

Zeitstrahl der ebswien

Seit 1951 hat sich die Wiener Abwasserreinigung kontinuierlich weiterentwickelt. Von den ersten Kläranlagen über den Ausbau der Hauptkläranlage bis zum modernen Öko-Kraftwerk und Abwasser-Monitoring – die wichtigsten Meilensteine im Überblick.

Start der Abwasserreinigung in Wien

Bürgermeister Franz Jonas nimmt am 15. Dezember 1951 die Kläranlage „Auf der Gelben Heide“ in Betrieb. Sie sorgte für die Entlastung des Liesingbachs.

1951
Neue Kläranlage am Liesingbach

Die mechanisch-biologische Kläranlage in Blumental ersetzt die erste Wiener Abwasserreinigungsanlage.

1969
Grundsteinlegung Hauptkläranlage Wien

Am 4. Juni 1970 legt Bürgermeister Bruno Marek den Grundstein für die Hauptkläranlage Wien.

1970
Baustart Schlammverbrennung

Handelsminister Josef Staribacher legt am 5. Juni 1978 den Grundstein für die Sondermüll- und Klärschlammverbrennungsanlage.

1978
Inbetriebnahme

Bürgermeister Leopold Gratz eröffnet am 30. Juni 1980 die Hauptkläranlage. Betreiberin der Anlage ist die MA 30 – Wien Kanal. Gleichzeitig startet auch die von der EbS betriebene Sondermüll- und Klärschlammverbrennungsanlage.

1980
Erhöhte Reinigungsleistung

Die neue Phosphatfällanlage der Hauptkläranlage Wien geht in Betrieb.

1996
Ausbau

Im Jahr 2000 starten die Erweiterungsarbeiten an der Hauptkläranlage, die die Errichtung einer zweiten biologischen Reinigungsstufe (HKA2) vorsehen.

2000
Abspaltung

Die Fernwärme Wien übernimmt die Klärschlamm- und Sonderabfallbehandlung und -verbrennung von der EbS.

2000
Inbetriebnahme

Bürgermeister Michael Häupl nimmt am 18. Juni 2005 die erweiterte Hauptkläranlage Wien in Betrieb.

2005
Grundsteinlegung E_OS

Bürgermeister Michael Häupl  legt am 13. April 2015 den Grundstein für das Projekt E_OS – Energie_Optimierung Schlammbehandlung.

2015
Energieselbstversorgerin

Bürgermeister Michael Ludwig enthüllt am 4. Juni 2020 den Schlussstein des Projekts E_OS – Energie_Optimierung Schlammbehandlung. Mit Inbetriebnahme des Schlammbehandlungstraktes deckt die ebswien ihren gesamten Strom- und Wärmebedarf aus selbst erzeugter Öko-Energie.

2020

Sauberes Wasser, klare Zukunft.

1. AEV

Die Bezeichnung 1. AEV steht für die
„1. Abwasseremissionsverordnung für kommunales Abwasser“. Der Mindestwirkungsgrad bezieht sich auf das Jahresmittel, der Grenzwert auf die maximal zulässige Ablaufkonzentration im geklärten Abwasser.