Abwasser als Frühwarnsystem
Abwasser-Monitoring
Abwasser enthält nicht nur viel Energie, sondern liefert auch wertvolle Informationen über die Gesundheit der Wiener Bevölkerung. Das umfassende epidemiologische Abwasser-Monitoring der Stadt Wien gilt heute europaweit als Best-Practice-Beispiel.
Wie alles begann
Corona als Auslöser
Am 27. Februar 2020 wurde der erste Corona-Fall in Wien registriert. Für die Wiener Kläranlage bedeutete die Pandemie eine besondere Herausforderung: Die Abwasserreinigung musste jederzeit sicher weiterlaufen. Erste internationale Meldungen über RNA-Rückstände des Corona-Virus im Abwasser führten zunächst zu Unsicherheit über mögliche Risiken für Mitarbeiter*innen von Kläranlagen. Deshalb beauftragte die Wiener Kläranlage die TU Wien mit Untersuchungen des Abwassers.
CSI Abwasser
Nachdem eine Gefährdung durch die RNA-Reste mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden konnte, wurde das Projekt gemeinsam mit Wien Kanal, TU Wien und weiteren Partner*innen konsequent weiterentwickelt.
Früher erkennen
Ein Frühwarnsystem für Wien
Schon bald zeigte sich, welchen Wert das Abwasser-Monitoring für das Pandemiemanagement hatte.
1 : 10.000
Hohe Sensitivität
Bereits eine infizierte Person unter 10.000 Einwohner*innen konnte im Abwasser erkannt werden.
100 %
Repräsentatives Sample
Der Zulauf der Kläranlage bildet die angeschlossene Bevölkerung unabhängig davon ab, ob sich einzelne Personen testen lassen.
10 Tage früher
Wertvoller Zeitvorsprung
Veränderungen im Infektionsgeschehen waren im Abwasser rund zehn Tage früher erkennbar als in den Inzidenzen.
So funktioniert es
Vom Abwasser zur Gesundheitsinformation
Vom Gesamtbild ins Detail
Monitoring auf mehreren Ebenen
Das mit CSI Abwasser entwickelte System ermöglicht Untersuchungen auf unterschiedlichen Ebenen.
Ganz Wien
Der Zulauf der Wiener Kläranlage liefert ein Gesamtbild über die angeschlossene Bevölkerung.
Teileinzugsgebiete
Auch einzelne Bereiche des rund 2.500 Kilometer langen Wiener Kanalnetzes können untersucht werden.
Einzelobjekte
Bei Bedarf lassen sich auch einzelne Einrichtungen wie Schulen, Spitäler oder Senior*innen-Wohnheime analysieren.
Forschung für morgen
Das Abwasser Archiv
Ein Teil der Proben wird bei −80 °C gelagert. Dieses Abwasser-Archiv ermöglicht es, auch zukünftige wissenschaftliche und epidemiologische Fragestellungen rückwirkend zu untersuchen.
−80 °C Lagertemperatur
Längst mehr als Corona
Welche Erreger werden untersucht?
Das Wiener Abwasser-Monitoring wurde seit der Corona-Pandemie kontinuierlich weiterentwickelt und umfasst heute mehrere relevante Krankheitserreger.
SARS-CoV-2
Der Corona-Erreger war der Ausgangspunkt des epidemiologischen Abwasser-Monitorings.
Influenza
Seit 2022 ist auch Influenza Teil der regelmäßigen Untersuchungen.
RS-Viren
Auch RS-Viren werden seit 2022 regelmäßig überwacht.
Masern
Mittlerweile ist auch das hochansteckende Masern-Virus Teil des Monitorings.
Gemeinsam für bessere Gesundheitsdaten
Starke Partner für ein starkes Monitoring
Das Wiener Abwasser-Monitoring entstand und entwickelte sich in enger Zusammenarbeit mit Partner*innen aus Wissenschaft, Infrastruktur und Gesundheitswesen.
TU Wien
MedUni Wien
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Wien Kanal
Wiener Gesundheitsbehörden
Statistik Wien
Aktuelle Daten
Was zeigt das Wiener Abwasser heute?
Das Wiener Abwasser ist heute eine wichtige Informationsquelle für die Gesundheitsvorsorge und erfüllt bereits künftige EU-Anforderungen an die Abwasserepidemiologie.
Die aktuellen Daten des Wiener Abwasser-Monitorings finden Sie auf der Website der Stadt Wien.